ILCOR stellt Bedeutung von notärztlichen Teams bei der Reanimation heraus (2025)

In einem aktuellen „Consensus of Science and Treatment Recommendation (CoSTR)“ vom Oktober 20251 empfiehlt die ILCOR (International Liaison Committee on Resuscitation) beim außerklinischen, nicht-traumatischen Herz-Kreislauf-Stillstand den Einsatz von spezialisierten (notärztlichen) Teams in Ergänzung zum Vorgehen nach ACLS-Standards durch Paramedics. In der evidenzbasierten Empfehlung heißt es wörtlich:

“We recommend that prehospital critical-care teams attend adults with nontraumatic, out-of-hospital cardiac arrest within EMS systems with sufficient resource infrastructure (weak recommendation, low certainty of evidence).”

Die Empfehlung fußt auf Meta-Analysen aus über 15 Publikationen (7 aus Japan, 3 aus UK und jeweils eine aus Australien, Island, Norwegen, Polen und USA; Gesamtzahl der Patienten > 1 Million) mit vergleichenden Aussagen zum Outcome der Patienten, die im vergangenen Jahr von britischen Autoren ausgearbeitet wurden2. Prehospital Critical Care Teams waren definiert als “enhanced clinical competencies in advanced life support beyond that of standard EMS teams and dedicated dispatch to critically ill patients”. Bis auf eine dieser Arbeiten berichteten alle über Critical Care Teams mit Beteiligung von Notärzten. Eine Randomisierung fand in keinem der beschriebenen Patientenkollektive statt.

Ergebnisse: Beim nicht-traumatischen Herz-Kreislauf-Stillstand fanden sich in 7 Studien Angaben zum Überleben nach 30 Tagen, die im Vergleich der Patientengruppen eine Odds Ratio (Chancenverhältnis, OR) von 1,56 [95 % – Konfidenzintervall 1,38; 1,75] zugunsten der Critical Care Teams errechnen lassen. Fünf weitere Studien machten Aussagen zum Überleben mit gutem neurologischem Ergebnis nach 30 Tagen mit einer OR von 1,34 [1,10; 1,63].

Beim traumatischen Herz-Kreislauf-Stillstand wurden zwei Publikationen eingeschlossen, die die Berechnung einer OR von 1,89 [0.94, 3,83] bezogen auf ein gutes neurologisches Outcome nach 30 Tagen ermöglichten.

Für die pädiatrische Reanimation gibt es bis dato nur eine Studie, die den Einschlusskriterien entspricht. Das Überleben nach 30 Tagen wird hier mit einer OR von 1,49 [0,86; 2,57] zugunsten der Critical Care Teams belegt.

Unter den zusätzlichen Maßnahmen, die von (Notarzt-gestützten) Critical Care Teams am Einsatzort durchgeführt werden, finden sich der Einsatz von Sonografie, Verabreichung vom Medikamenten außerhalb der Leitlinien (Inotropika, Vasopressoren, Sedativa), Rapid Sequence Induction and Intubation sowie primäre Zuweisung zu einem Cardiac Arrest Center.

In der Publikation werden sowohl die begrenzte formale Evidenz (Fehlen von Randomisierung, begrenzte Anzahl von Studien) als auch offene Fragen im Kontext (u.a. Kostenaspekte) diskutiert.

Die Übersichtsarbeit2 ist „Open Access“ unter der Lizenz CC BY 4.0 verfügbar. (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/).

 

[1] Greif R, Cheng A , Abelairas-Gomez C, et al. on behalf of the Education, Implementation, and Teams Task Force Collaborators. Education, Implementation, and Teams: 2025 International Liaison Committee on Resuscitation Consensus on Science With Treatment Recommendations. Circulation. 2025;152(suppl 1):S205–S249. DOI: 10.1161/CIR.0000000000001359

 

[2] Boulton AJ, Edwards R, Gadie A, Clayton D, Smyth MA, Brown T, Yeung J on behalf of the International Liaison Committee on Resuscitation EIT Life Support Task Force. Prehospital critical care beyond advanced life support for out-of-hospital cardiac arrest: A systematic review. Resuscitation Plus 21 (2025) 100803. doi:10.1016/j.resplu.2024.100803

Voraussetzungen für Wiederbelebungserfolg in Bundesländern unterschiedlich (2025)

Beste Voraussetzungen zur Wiederbelebung bei frühzeitigem Eintreffen von RTW und NEF  

Eine aktuelle Studie mit Daten des Deutschen Reanimationsregisters konnte in statistischer Analyse aufzeigen, dass die Chance auf eine erfolgreiche Wiederbelebung bei außerklinischem Herz-Kreislaufstillstand sich von Bundesland zu Bundesland unterscheidet. An einem Datenpool von über 100.000 dokumentierten Fällen aus 10 Jahren wurden die Chancen im Hinblick auf die Eintreffzeiten von Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug untersucht, welche im Ländervergleich signifikant verschieden sind und im Median zwischen 5 und 8 Minuten (Eintreffen des ersten Fahrzeugs) bzw. 8 und 11 Minuten (Eintreffen des zweiten Fahrzeugs) differieren.

Die Erfolgsrate der Wiederbelebung im gleichen Datenpool verschlechtert sich proportional zur Eintreffzeit des Rettungsdienstes. Bei einem verzögerten Eintreffen des zweiten Fahrzeugs sinkt für jede zusätzlichen 3 Minuten die Chance auf ein Überleben ohne wesentliche neurologische Schäden um 11%. Die Autoren stellen fest, dass das Ziel der Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse unter dem Aspekt der medizinischen Versorgung bei außerklinischem Herz-Kreislaufstillstand im Vergleich der Bundesländer bisher nicht erreicht ist. Herausgestellt wird die Notwendigkeit, die Eintreffzeit der taktischen Einheit von Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug bzw. Rettungshubschrauber durch strukturelle und organisatorische Maßnahmen zu minimieren. Zugleich wird die Bedeutung fortgesetzter Anstrengungen zur Minimierung des sogenannten therapiefreien Intervalls bis zum Eintreffen professioneller Hilfe durch verbesserte Laienausbildung und organisierte Ersthelfer-Systeme betont.

Die Publikation ist im Internet barrierefrei (open access) zugänglich und kann unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 4.0 International verwendet werden.
Fischer M, Harding U, Genzwürker H, Seewald S, Gretenkort P, Reifferscheid F (2025). Eintreffzeiten des Rettungsdienstes bei außerklinischem Herz-Kreislauf-Stillstand – überlebensrelevante Unterschiede zwischen den Bundesländern in Deutschland. Anaesthesiologie, published online 16. September 2025. https://doi.org/10.1007/s00101-025-01592-9

Link zu „Eintreffzeiten des Rettungsdienstes“

Interdisziplinäre prähospitale Teams mit Notärzten machen den Unterschied (2025)

Aktuelle Meta-Analyse zeigt Verringerung der Mortalität und Verbesserung der Überlebensrate bei Kreislaufstillstand und schwerem Trauma  

Ein kanadisches Autorenteam legt eine neue Meta-Analyse vor [1], die den Einfluss eines prähospitalen arztgeleiteten interprofessionellen Teams gegenüber einer Behandlung durch Paramedics allein bei kritisch kranken oder verletzten Notfallpatienten bewertet. Die Autoren errechneten eine signifikante Reduktion des Mortalitätsrisikos (Chancenverhältnis 0,80) und ebenso eine signifikante Steigerung der Überlebenswahrscheinlichkeit (Chancenverhältnis 1,49), wenn arztgeleitete interprofessionelle Teams die Behandlung der Notfallpatienten durchführten. Die Steigerung der Überlebenswahrscheinlichkeit fand sich in ähnlicher Ausprägung sowohl in den Studien zum außerklinischen Kreislaufstillstand als auch in den Studien zum schweren Trauma.

Eingeschlossen in die Meta-Analyse wurden auf dem Hintergrund einer systematischen Literaturrecherche 23 Studien – publiziert zwischen 2010 und 2024 – aus Japan, Australien, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Dänemark und Frankreich mit einer Gesamtzahl von 332.726 Patienten. Neun der Studien machten statistisch auswertbare Angaben zur Mortalität, 14 Studien veröffentlichten Daten zur Überlebenswahrscheinlichkeit.

In der zusammenfassenden Bewertung ihrer Ergebnisse sprechen sich die Autoren dafür aus, den Einsatz arztgeleiteter interprofessioneller Teams auch in denjenigen Regionen zu überlegen, in denen es dieses Konzept im prähospitalen Rettungssystem bisher nicht gibt.

Es ist interessant zu erfahren, dass die Autoren Mitarbeiter der University of British Columbia sind. British Columbia ist eine wenig dicht besiedelte Provinz an der Westküste Kanadas mit ausgedehnten ländlichen Regionen. Die Verbesserung der medizinischen Versorgung der ländlichen Bevölkerung ist ein erkanntes Ziel der Gesundheitspolitik. Auf diesem Hintergrund verstehen die Autoren die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Untersuchung auch als Aufruf zum Handeln für politische Entscheidungsträger und Führungskräfte im Gesundheitswesen zur Unterstützung von Regionen durch fortschrittliche Versorgungskonzepte, und sie verweisen auf erfolgreiche Implementierungen des Modells u.a. im Vereinigten Königreich und in Skandinavien. Das Konzept arztgeleiteter interprofessioneller Teams in der Notfallrettung sei signifikant outcome-verbessernd und ein möglicher Schritt zur Herstellung gleichwertiger Versorgungsbedingungen [2].

Es ist nicht verwunderlich, dass es zum Ergebnis der Meta-Analyse Kritik aus der wissenschaftlichen Community gibt. Nur eine der 23 eingeschlossenen Studien sei schließlich eine randomisierte und kontrolierte, und ausgerechnet bei dieser ergebe sich in der „intention-to-treat“-Analyse kein signifikanter Unterschied zwischen einer Versorgung mit oder ohne Notarzt im Langzeit-Outcome [3]. Die Autoren können auf diese und auch auf weitere methodische Kritiken antworten, und die öffentlich geführte Diskussion ist ein gutes Beispiel für die Schwierigkeit, in der Notfallmedizin „evidenzbasiert“ zu argumentieren. Die in Ergänzung der Originalpublikation veröffentlichten „letters“ [3, 4, 5, 6] sind im Internet barrierefrei zugänglich sind.

 

 

[1] Lavery MD, Aulakh A, Christian MD (2025). Benefits of targeted deployment of physician‑led interprofessional pre‑hospital teams on the care of critically Ill and injured patients: a systematic review and meta‑analysis. Scand J Trauma Resusc Emerg Med (2025) 33:1. https://doi.org/10.1186/s13049-024-01298-8

[2] Physician-Paramedic Teams: A New Frontier for Prehospital Care in Rural BC. https://rccbc.ca/story/physician-paramedic-teams-a-new-frontier-for-prehospital-care-in-rural-bc/

[3] Davis RG, Fouche PF, Flanagan B (2025). Physician-led interprofessional pre-hospital teams: does the science hold up? Scand J Trauma Resusc Emerg Med (2025) 33:54. https://doi.org/10.1186/s13049-025-01368-5

[4] Christian MD, Lavery MD, Aulakh A (2025). Benefits of targeted deployment of physician‑led interprofessional pre‑hospital teams on the care of critically ill and injured patients: the ‘science’ explained. Scand J Trauma Resusc Emerg Med (2025) 33:77. https://doi.org/10.1186/s13049-025-01398-z

[5] Boulton AJ, Brown T, Yeung J (2025). Benefits of targeted deployment of physician-led interprofessional pre-hospital teams on the care of critically ill and injured patients: a systematic review and meta-analysis.  Scand J Trauma Resusc Emerg Med (2025) 33:33. https://doi.org/10.1186/s13049-025-01347-w

[6] Lavery MD, Aulakh A, Christian MD (2025). Benefits of targeted deployment of physician-led interprofessional pre-hospital teams on the care of critically ill and injured patients: a systematic review and meta-analysis – matters arising response. Scand J Trauma Resusc Emerg Med (2025) 33:46. https://doi.org/10.1186/s13049-025-01355-w

Notärzte in Nachbarländern mit Paramedic-System (2024)

In gemeinsamer Arbeit haben Autoren aus der DGfNM eine narrative Übersicht zur Bedeutung des prähospitalen Einsatz von Notärzten aus der Sicht von europäischen Nachbarländern publiziert, in denen der Rettungsdienst traditionell auf einem Paramedic-System aufbaut. In diesen Ländern gibt es häufig die Möglichkeit, Prozesse und Ergebnisse der Notfallversorgung ohne und mit notärztlicher Unterstützung in einer Region miteinander zu vergleichen.

Aus der Perspektive von Autoren dieser Länder zeigen sich Vorteile einer notärztlichen Präsenz am Einsatzort bei der Durchführung hochinvasiver Maßnahmen (z. B. Einleitung einer Notfallnarkose) oder bei der Behandlung hochkomplexer Fallsituationen (z. B. bei Polytrauma) und bei Entscheidungen am Lebensende unter Wertung ethischer Aspekte. Autoren vergleichender Studien kommen in Regionen, wo aus strukturellen Gründen ein notarztgestütztes Team nicht immer kurzfristig an den Einsatzort gelangen kann, vielfach zur Empfehlung einer Standortverdichtung und Ausweitung der Notarzt-Disposition.

Die Übersichtsarbeit mit dem Titel „Erkenntnisse aus europäischen Paramedic-Systemen zum prähospitalen Einsatz von Notärzten“ wurde 2024 in der Zeitschrift NOTARZT publiziert und ist auf der Website des Thieme-Verlags zugänglich.

NOTARZT 2024; 40(06): 312-317, DOI: 10.1055/a-2333-5373
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2333-5373

Medizinische Kernaufgaben und ethische Entscheidungskompetenz – Notärzte in Nachbarländern (2019)

Der Blick auf unsere Nachbarländer (Vereinigtes Königreich, Niederlande und Dänemark) zeigt, dass eine zeitgemäße prähospitale Notfallmedizin durch hohe Qualifikation des nichtärztlichen Personals geprägt ist. Demgegenüber zeigt sich aber auch in diesen ursprünglich Paramedic-geprägten Systemen, dass eine darüber hinausgehende, spezifische fachärztliche Kompetenz am Einsatzort unerlässlich ist. Dies gilt in erster Linie für invasive Maßnahmen am Einsatzort und für Therapieentscheidungen in der Funktion der medizinischen Teamleitung. Notfallrettung muss sich als verteilte Aufgabe mit klarer Kompetenzzuordnung und gezielter Zuteilung der verfügbaren personellen Ressourcen verstehen.

Zu den invasiven Maßnahmen in Notarztkompetenz zählt die Narkoseeinleitung zur endotrachealen Intubation und Beatmung. Es wird hier länderübergreifend anerkannt, dass diese Maßnahme hinsichtlich ihrer Komplexität, Schwierigkeit und Risikobelastung nur von medizinischem Personal durchgeführt werden kann, welches diese Maßnahme im routinemäßigen klinischen Einsatz nachhaltig erlernt hat. Auf der anderen Seite ist unbestritten, dass eine prähospitale Narkoseeinleitung, Intubation und Beatmung lebensrettend sein kann und damit grundsätzlich nicht verzichtbar ist. Die Kompetenz zum erweiterten Atemwegsmanagement war ein wichtiger Grund für die Verbreitung von Prehospital Emergency Physicians im UK.

Nicht vergessen werden darf als spezifische ärztliche Kompetenz auch die ethische Entscheidungsverantwortung zu einem Therapieabbruch (jenseits von Standardarbeitsanweisungen zur Wiederbelebung), wie sie beispielsweise in einer dänischen Studie hervorgehoben wird.

 

Zukünftige Aufgaben des Notarztes –wegweisende Aspekte aus den Nachbarländern.

Der Notarzt 2019; 35: 68-75. DOI: 10.1055/a-0790-8082

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0042-120489

„Scoop and run“ vs. „stay and play” – gegensätzliche Strategien nähern sich an (2017)

Am Beispiel des Vereinigten Königreiches, der Niederlande und Dänemark analysierte der Arbeitskreis Strukturfragen der BAND e.V. die Strategien zum Einsatz von Notärzten zum Stand von 2017. Seitdem sind die Entwicklungen insbesondere im UK weitergegangen, wo 2016 der erste Jahrgang von Prehospital Emergency Physicians seine Weiterbildung abgeschlossen hat und wo inzwischen – anders als noch 2017 – praktisch alle Rettungshubschrauber mit Notärzten besetzt sind.

In den Anfangsjahren des Rettungsdienstes verfügten alle drei Länder über Paramedic-Systeme ohne prähospital eingesetzte Notärzte.  Bei der Qualifikation der Paramedics sticht das Beispiel der Niederlande heraus, wo seit Mitte der 1980-er Jahre ausgebildete Fachpflegekräfte auf dem Hintergrund einer „funktionellen Selbständigkeit“ im Rettungsdienst tätig sind und seit 30 Jahren nach landeseinheitlichen Protokollen arbeiten. Die formal-professionelle Entwicklung der Paramedics ist im UK mit der Existenz einer eigenen berufsständischen Körperschaft (College of Paramedics) und einer obligatorischen akademischen Ausbildung zum B.Sc. einschließlich eigener universitärer Fakultäten am weitesten fortgeschritten.

Aus reinen Paramedic-Systemen sind in den letzten Jahrzehnten Hybrid-Systeme mit notärztlicher Unterstützung nach verschiedenen Konzepten geworden. Während im UK und in den Niederlanden die Notarztunterstützung vorwiegend auf der Luftrettung basiert, gibt es in Dänemark nebeneinander sowohl ein flächendeckendes Luftrettungs- als auch ein flächendeckendes bodengebundenes System. In der Luftrettung ist man in den Nachbarländern bezogen auf die Verbreitung von Primäreinsätzen im Nachtflugbetrieb der deutschen Luftrettung voraus. Auf diese Weise kann die Ressource Notarzt prähospital auch per Helikopter rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Einsatz von Notärzten in Ländern mit Paramedic-System.
Der Notarzt 2017; 33: 272-278. DOI: 10.1055/s-0043-122219
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-122219

Strukturaspekte der präklinischen Notfallmedizin vor 10 Jahren – wie weit sind wir in der Zwischenzeit gekommen? (2016)

Der Arbeitskreis Strukturfragen der BAND e.V. hat sich zu Beginn der „Ära Notfallsanitäter“ im Jahr 2016 mit zentralen Themen der prähospitalen Notfallmedizin auseinandergesetzt und Perspektiven angedacht. Seitdem sind einige zentrale Empfehlungen ergangen, die sich mit den Problemen der stationären, prähospitale und ambulanten Versorgung auseinandersetzen (2018: Sachverständigenrat zur Begutachtung des Gesundheitswesens zur „Bedarfsgerechten Steuerung der Gesundheitsversorgung“; 2023: Stellungnahme und Empfehlung der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung zur „Reform der Notfall- und Akutversorgung: Rettungsdienst und Finanzierung“;  2024: Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Notfallversorgung des Bundesministeriums für Gesundheit). Die notfallmedizinische und gesundheitspolitische Diskussion ist in den letzten 10 Jahren weitergegangen.

Dennoch sind viele der seinerzeit aufgegriffenen Fragen weiterhin aktuell, und Manches ist noch erst unvollkommen gelöst. Aus Sicht des Notfallpatienten spielen die Fragen des therapiefreien Intervalls, des Einsatzes von First-Responder- und Ersthelfersystemen und der Eintreffzeiten des professionellen Rettungsdienstes eine zentrale Rolle. In der Rettungslogistik entwickelte sich die Luftrettung weiter, und die Telenotfallmedizin hat in den letzten 10 Jahren einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht. Abteilungsambulanzen in den Kliniken haben sich zu leistungsfähigen interdisziplinären Notaufnahmen weiterentwickelt.

Weniger erfolgreich waren die Bemühungen um die Verzahnung des Rettungsdienst mit der ambulanten kassenärztlichen Versorgung einschließlich der digitalen Verknüpfung von Notrufen und Einsatzdisposition. Ebenso ist die Entwicklung der Einsatzzahlen, zum Teil aufgrund von inadäquater Inanspruchnahme des Rettungsdienstes, ungebremst.

Die Publikation – damals als Zukunftsperspektive gedacht – ist heute ein gutes Beispiel dafür, in welchen Zeitintervallen sich Strukturveränderungen abspielen und wie viel oder auch wie wenig sich in 10 Jahren tatsächlich verändert.

Strukturänderungen in der präklinischen Notfallmedizin.
Der Notarzt 2016; 32: 264-270. DOI: 10.1055/s-0042-120489
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0042-120489