Medizinische Kernaufgaben und ethische Entscheidungskompetenz – Notärzte in Nachbarländern (2019)
Der Blick auf unsere Nachbarländer (Vereinigtes Königreich, Niederlande und Dänemark) zeigt, dass eine zeitgemäße prähospitale Notfallmedizin durch hohe Qualifikation des nichtärztlichen Personals geprägt ist. Demgegenüber zeigt sich aber auch in diesen ursprünglich Paramedic-geprägten Systemen, dass eine darüber hinausgehende, spezifische fachärztliche Kompetenz am Einsatzort unerlässlich ist. Dies gilt in erster Linie für invasive Maßnahmen am Einsatzort und für Therapieentscheidungen in der Funktion der medizinischen Teamleitung. Notfallrettung muss sich als verteilte Aufgabe mit klarer Kompetenzzuordnung und gezielter Zuteilung der verfügbaren personellen Ressourcen verstehen.
Zu den invasiven Maßnahmen in Notarztkompetenz zählt die Narkoseeinleitung zur endotrachealen Intubation und Beatmung. Es wird hier länderübergreifend anerkannt, dass diese Maßnahme hinsichtlich ihrer Komplexität, Schwierigkeit und Risikobelastung nur von medizinischem Personal durchgeführt werden kann, welches diese Maßnahme im routinemäßigen klinischen Einsatz nachhaltig erlernt hat. Auf der anderen Seite ist unbestritten, dass eine prähospitale Narkoseeinleitung, Intubation und Beatmung lebensrettend sein kann und damit grundsätzlich nicht verzichtbar ist. Die Kompetenz zum erweiterten Atemwegsmanagement war ein wichtiger Grund für die Verbreitung von Prehospital Emergency Physicians im UK.
Nicht vergessen werden darf als spezifische ärztliche Kompetenz auch die ethische Entscheidungsverantwortung zu einem Therapieabbruch (jenseits von Standardarbeitsanweisungen zur Wiederbelebung), wie sie beispielsweise in einer dänischen Studie hervorgehoben wird.
Zukünftige Aufgaben des Notarztes –wegweisende Aspekte aus den Nachbarländern.
Der Notarzt 2019; 35: 68-75. DOI: 10.1055/a-0790-8082
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0042-120489



