Vor 60 Jahren: Frank Pantridge

Klein, handlich, selbsterklärend, öffentlich zugänglich für Laienhelfer, lebensrettend … Notfallmedizin ohne externe Defibrillatoren können wir uns heute nicht mehr vorstellen. Es war 1965 – genau vor 60 Jahren – als ein nordirischer Kardiologe namens James Francis Pantridge erstmals einen Defibrillator in einem Rettungswagen einsetzte. Dieser war mit dem Fahrzeug transportabel, aber eigentlich noch nicht tragbar. Er wog 70 kg (nach anderen Quellen „nur“ 50 kg) und wurde über 12-Volt-Autobatterien betrieben. Immerhin konnte damit ein Defibrillator zum Notfallpatienten gebracht werden.

 

 

Frank Pantridge war Kardiologe am Royal Victoria Hospital in Belfast. Im Alter von 49 Jahren stattete er einen ersten Rettungswagen als „Mobile Intensive Care Unit“ aus. Pantridge selbst bezeichnete das Konzept als „Flying Squad“. Das Fahrzeug war mit Ärzten und Pflegekräften der kardiologischen Abteilung besetzt und mit Medikamenten und Material für erweiterte Reanimationsmaßnahmen ausgestattet [1].

Die externe Defibrillation beim Herzstillstand war innerklinisch mit netzgebundenen Defibrillatoren bereits seit den 1950-er Jahren verfügbar. Pantridge hatte beobachtet, dass die Erfolgsrate bei der unverzüglichen Defibrillation von Patienten auf der Intensivstation hoch war. Dagegen starben die meisten Patienten nach Herzinfarkt in ihrer Wohn- oder Arbeitsumgebung bereits innerhalb der ersten Stunde vor Erreichen einer kardiologischen Spezialstation. Der Gedanke, einen batteriebetriebenen Defibrillator an den Einsatzort zu bringen, lag daher nahe. In Zusammenarbeit mit seinem Mitarbeiter John Geddes entwickelte er den schwergewichtigen Prototypen.

Bereits 1967 konnte Pantridge zusammen mit seinen Kollegen eine Fallserie von 10 Patienten publizieren, die mit diesem ersten Defibrillator behandelt worden waren [2]. Von den vier Patienten, die auf dem Transport ins Krankenhaus ein Kammerflimmern entwickelten, wurden drei nach der Krankenhausbehandlung in gutem Zustand entlassen. Drei von sechs Patienten mit Kreislaufstillstand im privaten Umfeld oder in einer Arztpraxis konnten in guter Verfassung aus dem Krankenhaus entlassen werden, während die anderen drei nach einer bis drei Wochen in der Klinik verstarben.

Frank Pantridge und seinen Mitarbeitern gelang es innerhalb weniger Jahre, das Gewicht des Defibrillators mit neuer Technologie auf 3,5 kg zu reduzieren und ihn auf diese Weise wirklich tragbar zu machen.

Die offensichtlichen Erfolge des prähospitale Konzeptes mit den „Flying Squads“ wurden vor allem in Großbritannien noch für viele Jahre abgetan und wegdiskutiert [3], während sie in anderen Ländern mit begeisterter Zustimmung aufgenommen wurden. Frank Pantridge starb 2004 im Alter von 88 Jahren in seinem Geburtshaus in Hillsborough, Nordirland.

 

[1] Baskett TF, Baskett PF. The Resuscitation Greats -Frank Pantridge and mobile coronary care. Resuscitation 48 (2001) 99–104

[2] Pantridge JF, Geddes JS. A mobile intensive-care unit in the management of myocardial infarction. Lancet 1967; 2: 271–3.

[3] Obituary Frank Pantridge. https://www.theguardian.com/society/2005/jan/06/health.guardianobituaries